Siegfried Trapp
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»Sie müssen nur vorsichtig sein. Warum hören Sie nicht mit dem Trinken auf?« Weil ich keine Lust dazu habe. Es ist gleichgültig, was jemand tut, solange er bereit ist, die Konsequenzen zu tragen. Nun, ich bin bereit, die Folgen auf mich zu nehmen. Sie reden das so einfach hin, das Trinken aufgeben; es ist aber das einzige, was mir noch geblieben ist. Was glauben Sie denn, wäre das Leben sonst noch für mich? Können sie das Glück verstehen, das ich durch meinen Absinth bekomme? Ich schmachte danach, und wenn ich ihn trinke, genieße ich jeden Tropfen, und hinterher schwimmt meine Seele in unaussprechlicher Seligkeit. Es ekelt Sie an. Sie sind ein Puritaner, und im tiefsten verachten Sie Sinnesgenüsse. Die sinnlichen Freuden sind jedoch die heftigsten, köstlichsten. Ich bin ein Mensch, der mit lebhaften Sinnen gesegnet ist, und ich habe sie mit ganzer Seele ausgekostet. Jetzt habe ich die Strafe dafür zu zahlen, und ich bin bereit, sie zu zahlen.« Philip sah ihn eine Weile fest an. »Haben Sie keine Furcht?« Einen Augenblick lang antwortete Cronshaw nicht. Er schien über die Antwort nachzudenken. »Manchmal, wenn ich allein bin.« Er schaute Philip an. »Sie meinen, das bedeute meine Verurteilung? Sie irren. Ich fürchte mich nicht vor meiner Furcht. Es ist Narrheit, dieses christliche Argument, daß man immer im Hinblick auf den Tod leben solle. Leben kann man nur, indem man vergißt, daß man einmal wird sterben müssen. Der Tod ist unwichtig. Die Furcht davor sollte bei einem weisen Mann nicht eine einzige seiner Handlungen lenken. Ich weiß, daß ich beim Sterben schrecklich nach Atem werde ringen müssen, und ich weiß, daß ich mich fürchterlich ängstigen werde. Ich weiß auch, daß ich schließlich das Leben bitterlich bedauern werde, das mich in diese Patsche gebracht hat; aber ich erkenne dieses Bedauern nicht an. Jetzt halte ich, alt, krank, arm, dem Tode verfallen, meine Seele noch fest in der Hand, und ich bedaure nichts!« William Somerset Maugham, Der Menschen Hörigkeit
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»Sie müssen nur vorsichtig sein. Warum hören Sie nicht mit dem Trinken auf?« Weil ich keine Lust dazu habe. Es ist gleichgültig, was jemand tut, solange er bereit ist, die Konsequenzen zu tragen. Nun, ich bin bereit, die Folgen auf mich zu nehmen. Sie reden das so einfach hin, das Trinken aufgeben; es ist aber das einzige, was mir noch geblieben ist. Was glauben Sie denn, wäre das Leben sonst noch für mich? Können sie das Glück verstehen, das ich durch meinen Absinth bekomme? Ich schmachte danach, und wenn ich ihn trinke, genieße ich jeden Tropfen, und hinterher schwimmt meine Seele in unaussprechlicher Seligkeit. Es ekelt Sie an. Sie sind ein Puritaner, und im tiefsten verachten Sie Sinnesgenüsse. Die sinnlichen Freuden sind jedoch die heftigsten, köstlichsten. Ich bin ein Mensch, der mit lebhaften Sinnen gesegnet ist, und ich habe sie mit ganzer Seele ausgekostet. Jetzt habe ich die Strafe dafür zu zahlen, und ich bin bereit, sie zu zahlen.« Philip sah ihn eine Weile fest an. »Haben Sie keine Furcht?« Einen Augenblick lang antwortete Cronshaw nicht. Er schien über die Antwort nachzudenken. »Manchmal, wenn ich allein bin.« Er schaute Philip an. »Sie meinen, das bedeute meine Verurteilung? Sie irren. Ich fürchte mich nicht vor meiner Furcht. Es ist Narrheit, dieses christliche Argument, daß man immer im Hinblick auf den Tod leben solle. Leben kann man nur, indem man vergißt, daß man einmal wird sterben müssen. Der Tod ist unwichtig. Die Furcht davor sollte bei einem weisen Mann nicht eine einzige seiner Handlungen lenken. Ich weiß, daß ich beim Sterben schrecklich nach Atem werde ringen müssen, und ich weiß, daß ich mich fürchterlich ängstigen werde. Ich weiß auch, daß ich schließlich das Leben bitterlich bedauern werde, das mich in diese Patsche gebracht hat; aber ich erkenne dieses Bedauern nicht an. Jetzt halte ich, alt, krank, arm, dem Tode verfallen, meine Seele noch fest in der Hand, und ich bedaure nichts!« William Somerset Maugham, Der Menschen Hörigkeit